Lesenswertes

Archiv für Juni, 2008

Tschingis Aitmatow

Am 10.06.2008 starb Tschingis Aitmatow mit 79 Jahren.

Ich habe seine Bücher in den siebziger und achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts gelesen, so auch:„Der Tag zieht den Jahrhundertweg“. Die folgende Geschichte über einen bemerkenswerten Mann möchte ich hier hinterlegen:

Ein alter, berühmter, weit herum gekommener, armer Sänger – man nannte ihn Raimaly-agha – fand bei seinem reichen Bruder Unterschlupf und erhielt von ihm, was er zum Leben brauchte. „Über das Alter begann Raimaly-agha nun zu singen, über den Tod nachzusinnen. Erhabene und traurige Lieder entstanden in jenen Tagen. An ihm war nun die Reihe, allen Denkern folgend, in Muße die Frage aller Fragen zu beantworten: Warum erblickt der Mensch das Licht der Welt?
…Immer öfter blieb er zu Hause… immer länger vertiefte er sich mit den Alten in Gespräche über die Vergänglichkeit der Welt. Eines Tages…ritt er zu einem großen Fest, um sich die Langweile zu vertreiben. Die Dombra nahm er für alle Fälle mit…“ Er kam zum Fest, wurde in allen Ehren empfangen und beobachtete das Treiben der Jungen. Das machte ihn traurig, denn er dachte an seine Jugend die lange vorbei war.  „Weshalb, wozu hatte er all das erlebt? Um später dem Entschwundenen nachzutrauern und im Alter zu erlöschen wie glimmende Glut unter grauer Asche? Raimaly-agha grämte sich, wurde immer schweigsamer zog sich ganz in sich zurück….Plötzlich vernahm er Schritte…….ein Mädchen erschien auf der Schwelle- eine Dombra an die Brust gedrückt, das Gesicht mit offenem schalkhaftem und stolzem Blick, die Brauen straff wie Sehnen, was einen entschiedenen Charakter verriet.“… Das Mädchen sang…“Wundere Dich nicht ob meiner Kühnheit, Raimaly-agha, ich habe mich erdreistet, bei dir mit einem Lied zu erscheinen, so voller Beben und geheimer Furcht, als wollte ich dir selbst meine Liebe gestehen. Verzeih, Raimaly-agha, ich bin mit Kühnheit geladen, wie ein schicksalhaftes Gewehr mit Pulver. Zwar führe ich ein ungebundenes Leben auf Hochzeiten und Festmählern, aber auf diese Begegnung habe ich mich mein Leben lang vorbereitet, gleich einer Biene, die den Honig in Tröpfchen sammelt. Ich habe mich vorbereitet, gleich einer Blüte in der Knospe, der es bestimmt ist, aufzugehn zur festgesetzten Stunde. Dieser Augenblick ist nun angebrochen.“
„Gestatte- wer bist du, unbekannte Schöne ? wollte Raimaly-agha fragen, doch er traute sich nicht, das fremde Lied zu unterbrechen, strebte ihr nur entgegen, voll Bewunderung und Entzücken. Sein Herz geriet in Verwirrung, heiß pulste das Blut durch seine Adern, und wer zu jener Stunde über eine besondere Sehergabe verfügt hätte, der wäre gewahr geworden, wie Raimaly-agha sich aufschwang – mit einem Flügelschlag wie der Königsadler, der sich in die Lüfte hebt. Seine Augen belebten sich, strahlten auf, und er konzentrierte sich, als hätte er den ersehnten Ruf vernommen im Himmel. Den Kopf hoch erhoben, vergaß Raimaly-agha seine Jahre.“…
Das Mädchen gestand ihm seine Liebe, erzählte, dass sie ihm von klein auf gefolgt sei, seine Lieder gehört habe, dass sie einst so gut sein wollte, wie er und dass sie sich oft vorgestellt hatte, mit ihm in den Sängerwettstreit zu treten. „Ich schwor mir, die Kunst des Wortes, die Natur der Musik so tief zu erfassen, so singen zu lernen, wie du, mein Lehrer“… Raimaly-agha und Begimai verliebten sich… “Doch nicht alle fanden daran Freude. Es gab in der Menge auch welche die ausspien beim Anblick von Raimaly-agha.“ Seine Verwandten und die Stammesgenossen waren empört….„Sie begannen auf seinen Bruder Abdilchan einzureden. Hörst du was er singt? Wie ein junger Hengst wiehert er… Vor aller Augen verdreht sie ihm den Kopf….Das wird schlecht enden. Wozu muss er sich mit dieser Dirne einlassen? An die Kandare müssen wir ihn nehmen, damit es kein Gerede gibt in den Aulen.“… Das Fest ging weiter, die Verliebten überboten sich in ihrem Gesang….Die Menschen jubelten und Abdilchan, der seinen älteren Bruder zur Vernunft bringen wollte, wurde von ihnen beiseite gestoßen…Da machte ihn bitter.
„Und keine Ahnung hatte Raimaly-agha in jener selbstvergessenen Stunde, mit welch kochendem Zorn in der Brust sein Bruder davongeritten war“,… was für ein Komplott seine Verwandten schmiedeten, um mit ihm abzurechnen… „Schon stand der Mond zu ihren Häupten. Totenstill war es am Himmel, auf der Erde…

 

Süße STEVIA

Neulich saß ich wieder früh in der Bahn, las die Zeitung und entdeckte einen Artikel über STEVIA. Es handelt sich dabei um eine Pflanze, die aus Südamerika stammt und eine ganz intensive Süße enthält. Sie wurde erforscht und für gut verwendbar befunden, allerdings nicht in der europäischen Union. In anderen Ländern würde man Stevia verwenden, selbst Coca Cola würde damit zur Zeit experimentieren. Den deutschen Behörden fiele es aber schwer, dieses Süßungsmittel offiziell zu registrieren und den Vertrieb zu gestatten.
Ich beschloss, mir das zu merken. „Denk an Steffi und dann fällt Dir der Name Stevia wieder ein.“ Ich recherchierte im Internet und fand verschiedene Informationen und Anbieter. Unter der Adresse http://www.stevia-handel.de/shop/ bestellte ich diverse Produkte. Taps und eine Tinktur die tröpfchenweise verwendet wird zum Süßen. Ich habe mir schnell angewöhnt, ergänzend mit Stevia zu süßen, beispielsweise in Verbindung mit etwas Honig oder etwas Zucker.

Frau Barbara Simonsohn hat sich in der Esotera 01/2000, Seite  62ff: geäußert und begründet ausführlich die Herkunft und Wirkungsweise von Stevia.

„…Viele Menschen sind sich der negativen Folgen des Zuckerkonsums für Gesundheit und Gewicht bewusst und greifen zu künstlichen Süßstoffen als einer scheinbar gesunden Alternative…. Der Krebsverdacht gegen Saccharin und Cyclamat ist indes bis heute nicht ausgeräumt. …Eine gesunde Alternative, die gerade dabei ist, den deutschen Süßmittelmarkt zu erobern, ist „Stevia rebaudiana“, eine unscheinbare mehrjährige Staude aus der Familie der Chrysanthemengewächse. Seit Jahrhunderten, lange vor der spanischen Eroberung im 16. Jahrhundert, süßen die Guarani und Mato-Grosso-Indianer Paraguays ihren Mate-Tee mit diesem Süßkraut, das sie in ihrer Sprache ,,Kaja-he“ oder „Caa-a yupe“ („Honigblatt“ oder „Süßes Glück“) nennen.Sie benutzen das Blatt des pfefferminzähnlichen Krautes auch für Heilzwecke bei Diabetes, Bluthochdruck, Erschöpfung, Verdauungsstörungen, Verletzungen und Hautproblemen….“

Herzinfarkt

Vor einigen Wochen brach ein  Bekannter  zusammen. Er erlebte eine Odyssee, die man keinem wünscht. Eben noch gesund, plötzlich schwerkrank, veränderte sich für ihn da Leben von heute auf morgen. Während der OP wurde ihm die Brust Brustbein entlang aufgetrennt, auseinandergeklappt. Aus dem Unterarm und aus dem Brustbereich wurden Venen entnommen, die als Beipässe um das Herz verlegt wurden.  Vor Jahren habe ich in einer Zeitung einen Bericht über einen Schmied gelesen, dem es ähnlich erging und der, nachdem er einigermaßen wiederhergestellt war, täglich mit dem Fahrrad seinen Körper trainierte.

„Gestatten:Elite“ von Julia Friedrichs

Gestatten: Elite
Auf den Spuren der Mächtigen von morgen
von Julia Friedrichs

Wenn ich auf den Umschlägen von Büchern ein Foto der Autorin/ des Autors finde, schaue ich es längere Zeit an, und vertiefe mich in die Gesichtszüge. Julia Friedrichs Gesicht weckt Sympathien.

In ihrem Buch „Gestatten: Elite“ sucht sie eine Erklärung für den Begriff Elite, veröffentlicht sie interessante Recherchen über die private Welt der Kindergärten, Schulen und Internate für Kinder, Schüler und Studenten aus reichen Familien, vereint das Selbsterlebte mit den Kernerkenntnissen bereits vorhandener Literatur.

Frau Friedrichs etabliert sich mit diesem Buch als geniale Sozialkritikerin.
Ein Buch, das Wellen schlägt, aber wahrscheinlich nichts bewegt. Oder? Bringt es etwas, die Praktiken der Reichen darzustellen? Erstaunlichster Satz aus dem Munde einer reichen Mutter:
„Mitleid bekommt man geschenkt, Neid muss man sich erarbeiten.“

Für mich neu: die amerikanische Bildungskette – FasTracKids- „Überholspurkinder“
Plausibelster Satz:
„Es gibt Schichten, die haben die Macht, die machen die Elite aus, und die wollen die Macht auch behalten.“
Gedanke: Wird Julia Friedrichs dieses Buch in beruflicher Hinsicht überleben?

Harriet Rubin „Die Mona Lisa Strategie“

Sollte man dieses Buch lesen ? Wenn man gesund ist und Spaß am Leben hat, wenn man etwas von dem, was noch kommt, erwartet, dann kann man dieses Buch lesen. Wenn man 50 ff ist, wenn man sich weiter entwickeln möchte. Harriet spricht die Aktiven an, ältere Frauen, die alle aus dem Vollen schöpfen, freudvoll leben, als würden sie die Früchte einer Weinernte einbringen. Es hat mir Spaß gemacht, dieses Buch zu lesen. Ich freue mich, dass die Autorin uns, die alten Frauen, zum Gegestand ihrer Betrachtungen gemacht hat, auch wenn ich mich nicht mit allen Erkenntnissen identifiziere. Etwa zwei Drittel lesen sich flüssig und unterhaltsam, geistige Tiefen werden geschickt umschifft, der Rest wirkt auf mich etwas zu ehrgeizig, weil vom Wunsche beseelt, Erfolgsstrategien zu vermitteln, um den Ellenbogenkampf in der Gesellschaft erfolgreich bestehen zu können. Wenn alle diese Strategien einhielten bräuchte man kein Buch wie dieses und das wäre schade. Was ich noch nicht wußte: Leonardo Da Vinci hat sich im Gesicht der Mona Lisa verewigt und damit einen sehr langlebigen Beweis für seine Genialiät geschaffen.

Der beste Satz:

„Die Definition von Reife ist: die Vielfalt der Formen, in denen einem die Liebe begegnen kann, zu erkennen.“ Meine Ergänzung. Reife ist auch die Fähigkeit, in vielfältigen Formen Liebe zu geben.

Idee: Frau Harriet Rubin sollte , wenn sie über 50 ist, dieses Buch lesen, überarbeiten und eine „reife“ Version vorlegen.  Dann bin ich um die 80, werde vermutlich noch leben, die Brille mit den dicken Gläsern auf die Nase setzen, die Beine hoch legen und wieder gespannt lesen, was  die Autorin sich ausgedacht hat.

Monalisa 50ff