Lesenswertes

Archiv für Oktober, 2008

Über Lion Feuchtwanger- Bücher voller lebendiger Historie

So könnte man begründen, warum es sich lohnt, Bücher von Lion Feuchtwanger zu lesen:
„Die künstlerische Darstellung der Geschichte ist wissenschaftlicher und ernsthafter als die Geschichtsschreibung. Die Dichtkunst nämlich geht auf Kern und Wesen, während der exakte Bericht nur Einzelheiten aneinanderreiht. “   Aristoteles
„Goya – oder der arge Weg der Erkenntnis“

Don Francisco de Goya (45 Jahre alt- ein Bürgerlicher) gelangt vom Bauerndorf an den Hof des Königs und wird dessen Hofmaler. Er verliebt sich leidenschaftlich in die 13. Herzogin von Alba, Dona Cayetana, die sich von ihm porträtieren läßt, auch unbekleidet, was einer Provokation gleicht und viel Unfriede am Hofe schafft. Feuchtwangr lässt Goya zum Thema  Politik sagen: …hören, sehen, Maul halten… / psychologisch interessant fand ich den Satz: „Goya malt  die ihn bewegenden Sorgen weg….“ „Narrenweisheit“ Jean Jaques Rouseau lebt bis zu seinem Tod auf dem Gut des Marquis von Girordin. Der Leser begegnet ihm in den letzten Jaren seines Lebens. „Die Füchse im Weinberg“ Pierre Caron de Baumarchais ist der Held des Geschehens. Man erfährt viel über Freundschaft, Mut, Verrat und Liebe, dazwischen  die Uraufführung von „Figaros Hochzeit“, was damals einer Revolution gleichkam. u.s.w. „Jud Süß“ Lion Feuchtwanger lässt Isaak sagen: Es gibt nur eine Realität in dieser Welt: GELD. …“Krieg und Frieden, Leben und Tod, die Tugend der Frauen, die Macht des Papstes, der Freiheitsmut der Stände, die Schiffe auf den Meeren, die Reinheit der Augsburger Konfession, die Herrschgewalt der Fürsten, die Christianisierung, der neuen Welt, Liebe, Frommheit, Feigheit, Üppigkeit, Laster und Tugend: Aus Geld kommt alles und zu Geld wurde alles und alles ließ sich mit Ziffern ausdrücken…“ „Die Jüdin von Toledo“ war in jungen Jahren lange Zeit mein Lieblingsbuch. Die Erzählung beginnt mit der Rückkehr des bedächtigen Jehuda Ibn Esras nach Toledo. Er berät Alfons VIII, der gerade in einen achtjährigen Frieden mit den Moslems der iberischen Halbinsel hat einwilligen müssen. Alfons verlangt es nach der schönen, jungen, fremdländischen Tochter seines Beraters. Er lässt für sie ein altes Lustschloss in der Umgebung Toledos herrichten. 7 Jahre lang lebt er die Liebe mit ihr. Als es wieder Krieg gibt, verlässt Alfons das Schloss….

L. Feuchtwanger bei Wikipedia

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Alice Schwarzer über Feminismus

Zitat: Zu:“Emma – die ersten dreißig Jahre“

„Feminismus war noch nie ein Kampf gegen Männer, sondern für Frauen.“

Elke Heidenreich über Doris Lessing

Doris Lessing hat 55 Bücher geschrieben und sie hat sich immer verändert. Sie hat sich entwickelt und das in veränderten Standpunkten aufgeschrieben.Ist es nicht schön, wenn sich ein Mensch entwickelt?

Das ZDF entlässt Elke Heidenreich

So kam es, wie es kommen musste. Kritik bringt selten Freunde. Literaturkritiker sind es gewohnt zu kritisieren, sie leben teilweise davon, das Haar in der Suppe zu entdecken. Elke Heidenreich beschrieb die Veranstaltung zur Verleihung des Deutschen Fernsehpreises 2008 – sie fand am 11. Oktober statt –  mit Attributen wie: jämmerlich, grottendumm, arm, verblödet, kulturlos und lächerlich, um Herrn Reich Ranickis Ablehnung des Preises für sein Lebenswerk erklärbar zu machen. Weiter sagte sie: „Man schämt sich, in so einem Sender zu arbeiten. Sie erwähnte auch, dass man sie ja nun entlassen könnte, gaubte aber vielleicht nicht daran, dass man ihr das antun würde, denn sie lud Thomas Gottschalk, den sie noch vor wenigen Tagen für unfähig und uncharmant erklärt hatte, zu einer „Versöhnungsrunde?“ in ihre Sendung ein. Er war mehr als „verschnupft“ und lehnte die Einladung ab. Die Intendanten des ZDF beenden nun den  Arbeitsvertrag mit Frau Heidenreich als Moderatorin  „mit sofortiger Wirkung“. Herr Thomas Bellut, der Programmdirektor vom ZDF, sagt, dass nach diesem Vorfall ein  Vertrauensbruch zwischen dem ZDF und Frau Heidenreich bestehe. Es könne auf dieser Basis keine weitere gedeihliche Zusammenarbeit geben.  Einige wenige Buchverlage kritisieren nun das Verhalten des ZDF in Form eines offenen Briefes. Sie begründen ihren Widerspruch: Nur  wenige gibt es im deutschen Fernsehen, die sich für die Lese- und Buchkultur so eingesetzt haben wie Frau Heidenreich. Zu den Unterzeichnern gehören: Joachim Unseld von der Frankfurter Verlagsanstalt, Helge Malchow von Kiepenheuer & Witsch und Marcel Hartges Vertreter von  Dumont. Frau Heidenreich ist 65 Jahre alt und eine intelligente Frau , die vielleicht nicht weise ist. Aber sie versteht viel von Büchern und Autoren. Wenn sie in ihrer Sendung über Bücher redete, in einer unvergleichlichen  freundlichen und humorvollen Art, zog sie uns in ihren Bann. Schade, dass es so nicht mehr sein wird. Die Motive eingeschnappter Intendanten kann ich zwar verstehen, aber sie setzen sich meiner Ansicht nach ins Aus und behalten keinen guten Namen in der Affäre. Gäbe es nicht, wenn sie großzügiger über eine weibliche spitze Literatenzunge hinweggehört hätten – jetzt höher Einschaltquoten ? Aber wir Deutschen sind daran gewöhnt, uns gegenseitig zu bestrafen. Ich weiß auch nicht, wer uns das beigebracht hat.  siehe auch:

Literatur: angelehnt an die  OTZ Gera vom 24.10.2008

Bildungsgipfel am 22.10.2008 in Dresden

Das Morgenmagazin von ZDF mit der rot schwarz gekleideten schlanken, sehr gut aussehenden Anja Heide, vermittelte heute morgen diese wichtige Nachricht. Sie sagte, dass seit der ersten PISA Studie im Jahr 2000, keine wesentlichen Änderungen zu verzeichnen sind. Nun hoffe sie, dass der Bildungsgipfel etwas bringen würde. Ein Blick in die Praxis ließ aber keinen Zweifel offen, dass die Lehrer/innen vom Bildungsgipfel nichts erwarten. Viele Schulen sind marode und Geld ist dafür nicht in Sicht. Einer sagte in die Kamera hinein, seine Kolleg/innen würden wegen zu hoher Anforderungen resignieren und sie wären deshalb nicht bereit, Neues auszuprobieren. Somit wurde klar, dass es nicht nur tropfende Wasserhähne mit unschönen Flecken sind, die die Kinder am klüger werden hindern. Solches wurde nämlich hauptsächlich vom Schulalltag gezeigt.

Bildungsgipfel? Was ? Mit wem ? Warum ? Die 16 Ministerpräsidenten der Länder treffen sich mit Bundeskanzlerin Angela Merkel. Auch  drei Bundesminister nehmen am nationalen Qualifizierungsgipfel teil. Ziel des Gipfels: die Qualität in der  Bildung zu verbessern und die Zahl von gut Ausgebildeten  weiter zu erhöhen. Schwerpunkte der Tagung nennt Prof. Dr. Roland Wöller,  sächsischer Kultusminister, wie folgt. Bildung ist nun, nach einem jahrelangen Schattendasein in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Positive  Lösungsansätze, z.B. die Ganztagsangebote sind gefragt. Schülerzahlen sind  rückläufig, trotzdem wurde viel erreicht. Großen Wert legt man auf die  MINT-Fächern – also auf Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik, was sich für die Wirtschaft positiv auswirken wird. Die Anzahl von Schülern, die keinen Abschluss schaffen, soll reduziert werden. In Sachsen haben im letzten Jahr rund 5 Prozent der Mittelschüler keinen Abschluss geschafft. Das sind rund 1.300 Schüler.  Projekte sollen helfen: Camps für versetzungsgefährdete Schüler oder ein neues Projekt: „Produktives Lernen“. Dieses nutzen abschlussgefährdete Schüler mit akuten Lernschwierigkeiten. Schüler der Klasse 8 und 9. gehen an 3 Tagen der Woche in ein Unternehmen und lernen in der Praxis. Nur noch an 2 Tagen sind sie in der Schule in Klassen mit nicht mehr als 20 Schülern. Die Stundentafel ist aufgelöst. Ziel ist es, den Jungen und Mädchen Mut zum Lernen zu machen, ihnen Erfolge zu verschaffen und ihnen zu zeigen, dass Schulabschlüsse einen Sinn haben und bessere Lebensperspektiven ermöglichen.

Marcel Reich-Ranicki bei Thomas Gottschalk

Am 17.10.2008 fand das Gespräch statt.

Die Intendanten von ARD, ZDF, RTL und SAT 1 waren nicht erschienen.
Zunächst sagte Herr R.-R., dass er auf seiner Meinung bestehen würde, weil der Abend einfach scheußlich gewesen sei. T.G. meinte, die Verleihung des Fernsehpreises 2008 sei, nach den Einschaltquoten gemessen, ein Erfolg. 6 Millionen Menschen haben die Sendung gesehen.

Herr R.-R. machte seiner Unzufriedenheit mit den Intendanten, den Hauptverantwortlichen, Luft und sagte, sie würden ihr Handwerk nicht verstehen. Sie müssten für ansprechendes Bildungsfernsehen sorgen. Ihm sei schon klar, dass man nicht jeden Wunsch erfüllt bekommen könnte, aber ein Kompromiss wäre auch nicht schlecht und der sei eben zur Zeit nicht erkennbar.

R.-R : Man muss nicht laufend Schwachsinn liefern und verblödende Sendungen. ARTE habe ein gute Sendung über Kissinger, die zeige doch, dass es auch anders gehe. T.G: Bauer sucht Frau hat aber eine höhere Einschaltquote als die Sendung über Kissinger. „Wetten Das“ schauen am Samstag Abend 10 – 12 Millionen Menschen. Das wäre bei der Biografie über Kissinger nicht drin, deshalb sähe man so etwas auch selten im öffentlich rechtlichen Fernsehen.

R.-R fragte ob es so schwierig sei, Anspruchsvolles zu senden, Schiller, Shakespeare und Brecht wären Meister der Unterhaltung gewesen. Schiller habe im Vorwort des Theaterstückes „Die Braut von Messina“ geschrieben , wie wichtig der Spaß im Theater sei: also solle man doch öfter anspruchsvolle Autoren (z.B. Shakespeare) inszenieren.

T.G. hatte daran seine Zweifel, weil die Zielgruppe des öffentlich rechtlichen Fernsehens 13 bis 49 jährige Menschen sind.

Überhaupt sei Fernsehbildung für diese Zielgruppe schwer zu bewältigen, meinte T.G., verwies auf das Internet und sagte: „Wenn Du über das Fernsehen weinst, musst du Dich erschießen, wenn du in das Internet gehst. Ich wünsche dir, dass du nie einen Internetpreis erhältst.“.

R.-R.: für jeden gibt es etwas anderes, was ihn glücklich macht. Fernsehmacher müssen sich mehr Mühe geben, sie geben sich zuwenig Mühe.

T.G. sagte, dass Herrn R.-R ein Kind des Fernsehens sei. Sein literarisches Quartett habe ihn berühmt gemacht, also das Fernsehen.

R.-R verlangt, Intendanten und Programmdirektoren müssten Angst haben, rausgeschmissen zu werden.
T.G. antwortet: Sie haben Angst, Angst vor der Quote.

T.G. Stellt sich die Frage, ob er ein Verlierer wäre, wenn er neben sich nicht mehr die wunderbaren Gründe hätte, ihn zu sehen (Models, Prominente u.s.w.)

R.-R macht T.G. ein Kompliment, auf eine Weise, wie es nur ein Weiser tun kann:
Er sagte zu T.G: „Du kannst über die Bühne gehen und sagen: na Leute –guten Abend – und die Leute sind glücklich. Das ist eine großartige Leistung.“

T.G: Leute gehen oft, wenn es bildend wird und bleiben, wenn sie leicht unterhalten werden. Erfolg braucht die Ouote.

Am Ende des Gespräches hat Thomas Gottschalk den Fernsehpreis behalten und gewettet: Wenn es ihm gelingen sollte, eine bildungsfrohe Sendung zu machen, eine Sendung, die trotz der Bildung erwünschte Einschaltquoten bringt, müsste Herr Reich-Ranicki den Fernsehpreis annehmen. Dieser sagte dazu: „ja“ .

Fazit: Hätte der Titel lauten müssen : „Viel Lärm um Nichts ?“ Wird sich nun was ändern im Fernsehalltag? Auf jeden Fall konnte er auch sein Buch „Mein Leben“ erwähnen, das zur Zeit verfilmt wird.

Ich war am Ende froh, dass es ein Gespräch geblieben ist, indem gegenseitiger Respekt zu spüren war.

Bücherfreunde, lest den Roman „Der Schatten des Windes“

Carlos Ruz Zafon , auch im Suhrkamp Taschenbuchverlag erschienen.

Die Helden des Romanes sind mit großem psychologischem Einfühlungsvermögen beschrieben. Die guten und die bösen Figuren haben in dieser Geschichte eine Lebensgeschichte, die begründet, warum sie gut oder böse sind. Die Geschichte beginnt mit geheimnisvollen Menschen im Friedhof der vergessenen Bücher…

-Friedhof der vergessenen Bücher : Das klingt geheimnisvoll….

…also auf zum Buchladen oder ins Internet, vielleicht gibt es den Roman als Schnäppchen zu haben.

Meine Lieblingsfigur: Fermin Romero de Torres sagt:

„Wenn sie eine Frau wirklich besitzen wollen, müssen sie denken wie sie und als erstes ihre Seele erobern. “

Da steckt doch Weisheit drin ….

Daniel, ein junger Verliebter berichtet nach einem Nahtoderlebnis:  „Ich sah mich selbst an Beas Hand durch die Straßen dieses verzauberten Barcelonas spazieren, beide schon fast Greise…“

Dieser Satz hatte in mir ein Lesezeichen gesetzt, wenige Tage später bemerkte ich an einem einsamen Strand zwei weißhaarige Menschen, einen Mann und eine Frau, Hand in Hand in großer Vertrautheit spazieren. so wie es Daniel in seinem Wachtraum erlebt hatte:  eine junge, ewige Liebe.