Lesenswertes

Abendschießen in Glauchau

Es wird langsam zu einer guten  Tradition, dass wir in Glauchau in den Abend hinein ein Hallenturnier schießen. Gestern, 16.01.2009, 18.30 Uhr ging’s los: schießen, mit aller Kraft und Konzentration, mit bewusster Anspannung und Entspannung. Das tut gut, man hat es wieder, im Alltag, oder bei der Arbeit, denn der Körper bedankt sich für die Bemühungen.  

Im Januar 1979  habe ich mich beim Bogensportverein Carl – Zeiss – Jena angemeldet. Damals gab es in der DDR kein modernes Bogenmaterial zu kaufen. Die Nationalkader erhielten mit Devisen(Westgeld) vom Staat bezahltes Material. Anfänger nahmen , was der Verein für sie bereit hielt, es sei denn, sie hatten Westverwandschaft, die Bögen und Pfeile  für sie kaufte. Ich bekam vom Verein einen 14kp Bogen aus Holz mit schmalen Glasfiberwurfstangen und versuchte damit zu treffen, was im ersten Anlauf auf 20 m Entfernung sehr gut  ging. Bei den Vereinsmeisterschaften in Rostock 1980, startete ich bei den Anfängern und belegte den dritten Platz . 

Vom ersten Tag an hatte ich viel Interesse an dieser Sportart. Wie kam ich auf die Idee? Mein Freund, der später auch mein Mann wurde,  hat mich in den Verein mitgenommen und ich fand es schön dort, weil die Jenaer Bogenschützen und Bogenschützinnen (Zeissianer, Leute von der Uni, Lehrer u.s.w.) mir ausgesprochen sympathisch waren.  Wir waren  jung und  es gab immer etwas zu lachen und zu tun. Wir trainierten gemeinsam, feierten, wenn es Anlässe gab, oder luden zu unseren traditionellen Turnieren ein. 

Nach einiger Zeit nahm ich an Wettkämpfen teil. Ich trainierte mittlerweile mit einen Recurvebogen, dessen Wurfarme 17kp Auszugskraft hatten und mit dem ich 70 m schießen konnte. Was mir früher sehr gefiel und mich auch auch heute oft beeindruckt, das sind die Äußerlichkeiten eines Turnieres im Freien  –  weiße Kleidung, grüne Wiese, Scheiben mit den farbigen Spiegeln, Sonne, vielleicht noch blauer Himmel, also Umstände, die zum Bleiben einladen. Wenn es allerdings aus allen Himmelsrichtungen schüttet und der Wind pfeift, was dann mitunter auch stundenlang anhalten kann,vergeht der Spaß, trotzdem hat auch das was. Manchmal verzweifelte ich fast, wenn die Pfeile rechts und links vorbei ins Gras flogen, statt auf die Scheibe . Dann mussten die Pfeile gesucht werden. Erfolge hatte ich erst relativ spät.

Wenn ich heute so zurückblicke, denke ich manchmal, dass es heute einfacher ist, Schießen zu lernen, weil viel mehr Wissen vorliegt und weil sich jeder das Materiel kaufen und anpassen kann, wie er es braucht. Aber entscheidend ist und bleibt der Mensch, der einen optimalen Schießstil, gepaart mit  innerer Ruhe, Mut, festem Willen, Kraft, Konzentration und Energie durchsetzt. Das ist gar nicht so einfach, denn unser Körper tut nicht immer das, was wir denken. Erfolg heißt im Bogenschießen, möglichst viele Pfeile, auf allen Entfernungen bis 70 m, als Schussbild in der Mitte  der Scheibe zu bündeln. Wer Weltbestleistungen schaffen will, sollte das Schießen zum Beruf machen. Anders geht das heute nicht mehr. Aber der Freizeitstatus macht auch viel Freude. Man muss sich eben im Klaren sein, dass man so gut ist, wie man trainiert, sowohl qualitativ, als auch quantitativ. ..  

Wenn ich in meinem Leben irgendwo begriffen habe, dass jeder, der einen Berg bestiegen hat, auch wieder in das  Tal hinabsteigen muss, um den nächsten erklimmen zu können, dann beim Bogenschießen. Darüber hinaus gab und gibt es viele schöne Stunden, Begegnungen und Erlebnisse mit Freunden und Bekannten,  die ich nicht missen möchte… 

Zurück nach Glauchau: 265 Ringe in der ersten Runde  und 274 Ringe in der zweiten Runde (18 m a 30 Pfeile) brachten mir ein Ergebnis von 539 Ringen. Über dieses Ergebnis kann ich mich freuen. Um auf den Vergleich mit dem Berg zurückzukommen: Damit stehe ich, gemessen an meinem Aufwand, knapp unterm Gipfel. Etwas besonderes war für mich folgendes: Auf meiner Scheibe schoss die 17. der letzten Juniorenweltmeisterschaft, Anne Eichhorn. Sie schießt sehr gut und war gestern abend glücklich, auch wegen ihrer Wettkämpfe und Erfolge, die sie letztes Jahr  im Ausland erringen konnte. Sie schwärmte von den Fahrten… Ich werde ihr die Daumen drücken für 2009. Ja, an dieser Stelle danke ich den Glauchauern, vielleicht sehen wir uns zum 24h Schießen oder in Jena zur Saisoneröffnung oder beim Thüringenpokal auf unserem wunderschönen Sportplatz an der Saale.   Der ideale Schießstil 

siehe auch Hallenturnier in Glauchau 2010

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