Lesenswertes

Archiv für Dezember, 2009

Die Hütte – umstritten und geliebt

William Paul Young hat mit seinem umstrittenen Roman „Die Hütte – ein Wochenende mit Gott“ (im Original „The Shack“) meiner Ansicht nach eine wunderbare Geschichte geschrieben, die polarisiert. Andere lehnen sie als groben amerikanischen Kitsch ab. Theologen streiten über die Bibelfestigkeit der Gedanken. Viele Leser/innen lieben das Buch, sonst kann man das Phänomen der weltweiten Verbreitung kaum erklären. Da der Autor zunächst keinen Verlag gefunden hatte, gründetete er Windblown Media, seinen eigenen Verlag, im Mai 2007. „The Shack“ erschien 2007 und wurde nicht in einer Buchhandlung angeboten. Zunächst kauften es nur Freunde und  Bekannte. Diese bestellten Bücher, um sie weiter zu verschenken, was viele andere Leser ebenfalls taten.  Über eine Website wurden 2007 in den ersten vier Monaten 12 000 Exemplare verkauft. Es folgten Übersetzungen in andere Sprachen und Verkäufe ins Ausland. Die deutsche Ausgabe erschien 2009 unter dem Namen „Die Hütte“ im Ullstein Buchverlag.

 

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„Alte Liebe“ von Elke Heidenreich und Bernd Schroeder

Buch von Elke Heidenreich und Bernd Schroeder

In den Dialogen und Monologen erkennt man Elke Heidenreich wieder. Aber es geht im Roman nicht um sie, sondern um Lore, eine  Bibliothekarin, Anfang Sechzig, resolut, gebildet, kulturell interessiert, verheiratet, Mutter einer Tochter. Lore verbringt ihr berufliches Leben mit Büchern und Autoren. Ihr Mann, Harry, befindet sich im Ruhestand. Er liebt seinen Garten, nennt  jede Pflanze bei ihrem lateinischen Namen. Man erfährt, dass er  ungern in Kirchen und Museen geht, die Bücher eher als Ausstattung, weniger als geistige Nahrung betrachtet und dass er in Lesungen fasziniert die Hinterköpfe weiblicher Besucherinnen anschaut. Er lebt aber nicht nur für seinen Garten sondern auch mit seiner Frau. In der nörgelnden Sorge um die Tochter finden sich beide, auch in der Art, wie sie die Dinge tun, für die sie sich  interessieren. Das Paar geht liebevoll miteinander um. Es hat Ansprüche, Wünsche, will lebendig sein, glücklich, mit Alltäglichkeiten und trotz  Unleidlichkeiten….

Weiterhin findet man ein besonderes literarisches Konstrukt, da zwei schreiben, ein Mann und eine Frau. Ich habe die Monologe von Harry lieber gelesen, als die von Lore, weil es mich interessiert, wie Männer Situationen beurteilen und über zwischenmenschliche Beziehungen denken. Es lohnt sich, das Buch zu lesen, eine meist heitere Lektüre mit melancholischen Momenten.  Das  Foto auf dem Einband gewinnt nach dem Lesen an Bedeutung. Nach längerer Betrachtung fällt auf, dass das Paar eine jung gebliebene Liebe verkörpert.

Franz Kafka

 sagte einst:

Manches Buch wirkt wie ein Schlüssel zu fremden Sälen des eigenen Schlosses.

„Bunker“ von Andrea Maria Schenkel

Andrea Maria Schenkel schrieb „Tannöd“ und „Kalteis“. Für ihre Art zu erzählen, erhielt sie mehrere Preise. Nun liegt ihr neues Buch „Bunker“ in den Läden.  Dieser Roman erzählt aus drei Perspektiven über das Leben und Handeln eines Kriminellen und seines Opfers. Beide leben in ihrer Beziehung ein Schema aus ihren fast vergessenen Kindheiten aus. Diese psychologisch, sozialkritische Sicht verleiht der düsteren Geschichte einen tiefen Sinn.

 

„Angriff auf die Freiheit“

Ilija Trojanow und Juli Zeh haben ein kritisches Buch veröffentlicht. Es beschreibt, wie Bürger  zu „gläsernen Menschen“ werden und wie sich die Gesellschaft dabei verändert. Wer sich mit dem Thema Freiheit beschäftigen möchte, hat ein passendes Buch zur Hand.

Zitat aus dem Buch: „Der staatliche Hunger nach Kontrollmöglichkeiten ist noch lange nicht gestillt. Wenn wir uns nicht wehren, gibt es bald eine Zentraldatei mit den Fingérabdrücken sämtlicher EU – Bürger in Brüssel, und an jedem deutschen Flughafen wird ein Nacktscanner stehen. …“

Weiterhin kritisieren die Autoren etwas abwertend das Internet als Datensammelstelle die freiwillig von vielen Menschen gespeist wird.  Buch

Bücher

Bücher lesen heißt wandern gehen in ferne Welten, aus den Stuben über die Sterne

Jean Paul       

Quelle: „Bücher – Tore zur Welt“ eine gelungene Textsammlung zum Thema Bücher von Julia Hubinger.

„Open“

 Es hat sich bestätigt, was im ersten Drittel der Biografie bereits erkennbar war. ( Ich hatte bereits einen Artikel geschrieben.) Andre Agassi, Wimbledon Sieger von 1992, einziger Gewinner von vier Grand Slam Turnieren in Folge, hat  ein ehrliches, selbstkritisches, modernes Buch geschrieben, das seine Entwicklung vom instrumentalisierten Kindertalent zum Profisportler zum erwachsenen verantwortungsbewußten Menschen darstellt.

Man erlebt mit ihm die Kämpfe auf den Tennisplätzen und die inneren Kämpfe um sein Selbst, sein Erwachsenwerden, die Beziehung zu seinen Freunden, seinen Partnerinnen, die große Liebe zu Steffi Graf.  In Amerika war er ein gefeierter Star, in seiner Haut fühlte er sich oft unwohl.   Ihn quälten die oberflächlichen Einschätzungen der Journalisten, die ihn oft abwerteten. Ich will hier Andere Agassi aufwerten, bewundere sein Buch und nicht nur das. Die Agssy Academy ist sein Produkt, eine Schule, eine Bildungsstätte für benachteiligte Kinder. Die Lehrer werden gebeten, daran zu glauben, dass jedes Kind etwas lernen kann und Respekt im Umgang miteinander das höchste Gut ist.

Der Respektkodex der Agassi Academy: „Das Wesen richtig verstandener Disziplin ist Respekt. Respekt vor Autorität und Respekt für andere, Respekt vor uns selbst und Respekt vor den Regeln. Diese Einstellung beginnt zu Hause, sie wird an der Schule bekräftigt und sie gilt für das ganze Leben. 

Aus der Begegnung mit Nelson Mandela zitiert er folgende , für ihn sehr wichtige Gedanken :

„Wir müssen füreinander sorgen- das ist unsere Aufgabe im Leben. Aber wir müssen auch für uns selbst sorgen.deswegen sollen wir achtsam sein bei unseren Entscheidungen, achtsam in unseren Beziehungen, achtsam mit unseren Worten. Man braucht Lebensklugheit, um zu vermeiden, dass man ein Opfer wird….“

Die Art der Beziehung zu seinen Kindern Jaden und Jaz wird hier sichtbar: „Mein Rücken schmerzt, aber hauptsächlich vom vielen Bücken, wenn ich mit Jaden Gehen übe. Ein wundervoller Schmerz.“

Zum Tennis :

nach einem verlorenen Match der French Open 2002 ein Zitat:

„Ich bin im Frieden mit mir selbst…Mir gefällt es, wie ich gespielt habe. Ich habe Fehler gemacht, mein Spiel hatte Löcher, aber ich weiß, dass wir daran arbeiten werden, sie zu stopfen….“

Zum Leben allgemein:

„Das Leben ist ein Tennisspiel zwischen gegensätzlichen Polen, Sieg und Niederlage, Liebe und Hass, Offenheit und Verschlossenheit, Es ist wichtig, dieses schmerzliche Prinzip früh zu durchschauen, die gegensätzlichen Pole in sich selbst zu erkennen und wenn man sie weder schätzen, noch in Übereinklang bringen kann, sie zumindest zu akzeptieren und weiterzumachen.  Nur ignorieren kann man sie nicht.“

Fazit: lesenswerte Literatur

Fotos

Link Übersicht : die besten Tennisspieler aller Zeiten