Lesenswertes

Archiv für Januar, 2015

In „Unterwerfung“ geblättert…

Michel Houellebecq  erzählt in „Unterwerfung“ über einen Mittvierziger, der seinen Lebensunterhalt als Hochschullehrer verdient. Dieser Mann lebt in Paris. Er beschreibt sich selbst als mittelmäßig, schlaff und uninteressiert. Literarischer Ehrgeiz hat für ihn in der Konsumgesellschaft keinen Sinn, Liebe macht keinen Sinn, Sex – ja, aber Frauen sind dazu gemacht, ihn zu verlassen.  Er verachtet seine Eltern und sieht in der Zukunft eine sich selbst auflösende Kultur und Gesellschaft. 2022 ändert sich für ihn alles, denn in seinem Heimatland  Frankreich  stellt eine islamische Front den Präsidenten. Während sich rechte, linke oder in der Mitte befindliche Parteien gegenseitig verabscheuen und ausbremsen, setzen sich die islamischen Parteien durch, schließen ein Bündnis auf der Grundlage ihrer Religion. Dem Romanheld ergeht es dabei schlecht, weil seine Freundin nach Israel ausreist und weil er aus dem Universitätsdienst entlassen wird. Er erhält zwar eine monatliche Pension von 3000…€, aber die Untätigkeit quält ihn. Mit unguten Gefühlen  beobachtet er, wie sich die anderen Kollegen verhalten, teilweise anpassen. Das Dreifache  würde man ihm zahlen, wenn er wieder an die Uni zurück käme. Geld ist genug vorhanden, ein Ölscheich zahlt. Aber es hat sich viel verändert und an den Universitätsdienst sind Bedingungen geknüpft, die allem widersprechen, was bisher galt. An der wieder eröffneten Sorbonne studieren nun meist Männer und wenige ausgewählte, in Schleier gehüllte Frauen. Kinder gehen bis zum 12. Lebensjahr zur Schule. Wer Geld hat, kauft Privatunterricht. Der französische Bildungsetat  wird minimalisiert. Die Frauen verschwinden aus dem Berufsleben.  Dafür erhält die Familie ein hohes Ansehen. Laut Gesetz darf ein Mann bis zu vier Frauen heiraten… Der Held des Romans könnte eine junge 15 jährige Ehefrau nehmen und eine etwas ältere  für die Zubereitung des Essens… Die Frau unterwirft sich dem Mann. Der Mann unterwirft sich seinem Gott…